Convergence


C. J. Cherryh
Convergence
(DAW Books 2017)

„Convergence“ ist der nächste Foreigner-Roman einer Serie, die damit bereits sechs Dreiergruppen, also 18 Bände umfasst. Nach der üblichen Vorgehensweise müsste nun eine neue Dreiergruppe beginnen, denn die Handlung ist auch jetzt nicht abgeschlossen.
Der Inhalt des neuen Buches gliedert sich in zwei Handlungsstränge. Bren Cameron, der menschliche Diplomat am Hof der Atevi, wird zurück nach Mospheira geschickt, auf die Insel der Menschen auf dieser Welt. Er soll dort die Ergebnisse der Verhandlungen mit den Kyo präsentieren, einer weiteren außerplanetarischen Rasse, der man in früheren Bänden begegnet war. Außerdem muss er Mospheira die bevorstehende Landung von 5000 Flüchtlingen einer versehentlich von den Kyo zerstörten Raumstation schmackhaft machen. Cajeiri, der noch sehr junge Erbe des Herrschers der Atevi, reist hingegen auf einer anderen Mission zu seinem Onkel. Dabei geht es um die Nachfolgeregelung eines bestimmten Clans und gleichzeitig immer noch die Bewältigung der Folgen einer Verschwörung innerhalb der Assassinengilde, mit der man auch in früheren Bänden zu tun hatte. Die beiden Stränge wechseln beinahe regelmäßig von Absatz zu Absatz.
Beide Handlungen sind diesmal voller langer Ausführungen der Personen, Überlegungen, Darlegungen – Politik. Es passiert eigentlich nur sehr wenig. Camerons bisher kaum beschriebene Vergangenheit spielt in Form von alten Freunden eine Rolle, auf die er plötzlich zurückgreift. Er hat sich ja von der Bevormundung durch die Universität Mospheiras längst gelöst und betrachtet sich eher als den Atevi zugehörig. Dieses spannungsgeladene Verhältnis ist nun natürlich von Bedeutung. Er konfrontiert die Menschen damit, dass die Dinge sich geändert haben und weiter ändern werden, ob sie es nun wahrhaben wollen oder nicht.
Auf Cajeiris Seite geht es ebenfalls um alte Zusammenhänge, z.B. die Herkunft seiner Mutter, die Manipulationen des Gilden-Renegaten, Morde und noch mehr Morde … Er erfährt so einiges, das ihn zu verändern scheint. Er wird auch durch diese Erfahrung erwachsener.
Am Ende steht man da und runzelt etwas die Stirn. Wie es nun wohl weitergeht? Aber das ist vermutlich Sinn der Sache.

 

Zwischen Verkleideten und Selfern

Die Buchmesse in Leipzig wird auch in diesem Jahr wieder Rekorde statistisch feststellen, daran ist kein Zweifel. Wir waren am Samstag als Besucher dort und schauten uns in den Hallen um. Einen bestimmten Plan hatten wir nicht, wollten eigentlich mal schauen, was es bei der Phantastik so an Neuigkeiten gibt.

Die von mir früher sehr geschätzte Buchmesse erscheint mir in den letzten Jahren immer mehr als zu einer post-karnevalistischen Veranstaltung zwischen Bücherständen zu verkommen. Viele finden es ja toll, dass gefühlte 60% der Besucher – zumindest am Wochenende – in mehr oder weniger alberne Kostüme gehüllt sind, deren Sinn und Bedeutung sich Uneingeweihten nur selten erschließt. Doch diese Kostümierten tun auf der Buchmesse nichts anderes, als diese als Laufsteg für ihre Selbstdarstellung zu nutzen und ein unangenehmes Gedränge zu verursachen. Es ist erwiesen, dass Comic-Fans und Rollenspieler kaum Bücher lesen. Die Anwesenheit derartiger Personen hat also für den Sinn der Buchmesse keinerlei Vorteil – es sei denn, der Sinn der Buchmesse ist heute, eine post-karnevalistische Veranstaltung zwischen Bücherständen zu sein. Sicher muss die Messe Geld verdienen, das sogar in erster Linie. Daher scheint es den Veranstaltern relativ egal zu sein, wer auf der Messe ausstellt und wer sie besucht. Sogar die erklärten Feinde der Verlage bekamen in diesem Jahr die Möglichkeit, einen großen Teil einer Halle zu belegen – der Teil der Buchbranche, welcher von der neuen Welle der sogenannten Selfpublisher zu profitieren sucht. Gewisse Dienstleister, die quasi die normalen Verlagsaufgaben outsourcen, um den Möchtegern-Autoren vorzugaukeln, sie würden dann tatsächlich richtige Bücher veröffentlichen. Nur gut, dass der Buchhandel (jenseits der Messebuchhandlung) so konservativ ist und auf die selbstgebastelten, pardon, selfpublishten Bücher weitegehend verzichtet.

Unverständlich ist nur, dass es sich die echten Verlage gefallen lassen, auf ihrer traditionellen Messe neben derartige Anbieter gestellt zu werden. Nun ja, die Frankfurter „Verlage“ mussten sie ja auch ertragen. Jene waren in diesem Jahr übrigens nirgends zu sehen, worüber einige Kleinverleger bereits frohlockten. Dass viele der allenthalben hochgejubelten kleinen und größeren Verlage es sich auch recht gut bezahlen lassen, Autoren „ihr Buch“ zu machen, wird dabei geflissentlich ignoriert. Vielleicht wäre mal eine neue Schwarze Liste fällig …

Der Messebuchhandel hatte in diesem Jahr eine gesonderte Phantastik-Buchhandlung aufgebaut. Ist ja begrüßenswert, vor allem nach dem Hickhack im Vorfeld um die Fantasy-Leseinsel. Wenn man die Konditionen dafür nicht wüsste, könnte man richtig neidisch werden.

Tatsächlich haben wir kurz überlegt, nächstes Jahr einen kleinen Stand zu buchen. Kostet mit Übernachtung und Anreise zwischen 1500 und 2000 €. Mit anderen Worten, es würde sich auf keinen Fall lohnen, denn so viel kann man gar nicht verkaufen oder an neuen Autoren gewinnen, wenn man keine „Druckkostenzuschüsse“ nimmt. Also wird man uns wahrscheinlich auch nächstes Jahr nicht mit einem Stand in Leipzig sehen. Ob überhaupt, das weiß ich jetzt noch nicht.

Hex

Kai Meyer: Hex
(Helmut Lingen Verlag 2012)

Geschrieben hat Kai Meyer das Buch wohl schon 1996, der Verlag bietet es als „unheimlichen Roman“ an, obgleich man es zur Science Fiction zählen müsste – aber wer kauft schon SF? Mir fiel es irgendwie in die Hände und da ich noch nie was von Kai Meyer gelesen hatte und eine gewisse Langeweile verspürte, las ich es. Nun habe ich also was von Kai Meyer gelesen, aber der Rest änderte sich nicht.
Das Buch spielt seltsamerweise ausgerechnet in Deutschland von 1926, doch irgendwie konnte ich den Eindruck nicht abschütteln, dass es nicht so richtig im historischen Deutschland dieser Zeit spielt. Spätestens als dann eine Truppe namens Schwarze Reichswehr auftauchte, war ich sicher, dass ich recht hatte.
Warum es gerade in dieser Zeit angesiedelt wurde, ist eines der Rätsel, die das Buch nicht beantwortet. Leider sind die anderen inhaltliche Ungereimtheiten, mit denen Meyer seine Leser allein lässt.
Im 16. Jahrhundert spielt sich über Nürnberg eine Luftschlacht außerirdischer Raumschiffe ab, deren Trümmer von den abergläubischen Leuten unter der Burg eingemauert werden.
1926 stürzt über Grönland ein Zeppelin nach der Kollision mit einem UFO ab.
Allerdings nennt der Autor die Dinge keineswegs beim Namen, sondern ergeht sich in vagen Umschreibungen. Mag sein, dass das Menschen im Mittelalter so sahen, aber bis zum Schluss muss man herumrätseln, was das denn eigentlich sein soll. Lichterscheinungen … na ja.
Sina und Max, zwei Mitarbeiter einer Behörde namens „HEX“, so eine Art Akte X des Deutschen Reichs, werden nach Grönland geschickt, gefolgt von einem Auftragsmörder, der Max umbringen soll – warum, das wird nie hinreichend begründet. Als sie mehr oder weniger erfolglos zurückkommen – deutsches Militär hat die Trümmer längst abgeholt – existiert das HEX nicht mehr und man jagt sie und andere Personen. Das Ganze endet in Nürnberg unter der Burg, wo der Gründer des HEX anscheinend völlig irre geworden mit Außerirdischen unter der Burg nach den 400 Jahre alten Resten gräbt.
Spannung kam bei mir kaum auf, eher Irritation darüber, dass Meyer seine Figuren ständig „überraschend“ anders sein und handeln lässt, als man erwartet. Tote sind nicht tot, Vorgesetzte und Patenonkel setzen Killer auf einen an, Unbekannte versuchen einen zu retten und gehen drauf … völlig durcheinander und unverständlich.
Wie erwähnt, irgendwie ist es nicht das Deutschland, das man aus den Geschichtsbüchern zu kennen glaubt, aber Steampunk ist es auch nicht, dazu fehlen die eindeutigen technischen Andersartigkeiten. Die meisten rätselhaften Dinge bleiben ungeklärt, wie etwa das mit dem Kindergeschrei, das Sina und der Killer hören, und vor allem die Motivation der handelnden Personen. Der HEX-Gründer Zacharias versucht scheinbar einen seit 400 Jahren begrabenen Außerirdischen zu befreien – als ob der oder seine Kumpels das nicht selbst könnten – und dann sich selbst einschließlich aller Mitwisser zu töten. Wozu? Keine Ahnung!

 

Lucifer

Lucifer
(USA 2016)

Es war die erste Serie, die wir bei Amazon Video anschauten, und wir fanden, dass sich die Anmeldung damit schon gelohnt hatte. Irgendwie seltsam, dass eine Serie nun nicht mal mehr im Fernsehen läuft, sondern nur „im Internet“. Die Qualität in Bild und Ton war übrigens ausgezeichnet.
„Lucifer“ ist eine amerikanische Serie, die auf dem gleichnamigen Comic von Mike Carey und Neil Gaiman (!) basiert. Eine zweite Staffel läuft im September an.
Lucifer Morningstar, also der Teufel, hat seinen Job in der Hölle hingeschmissen und betreibt seit fünf Jahren einen edlen Nachtclub in Los Angeles. Seine Barkeeperin Mazikeen ist eine Dämonin, die ihn begleitet hat und offenbar auch für seinen Schutz zuständig ist. Einer seiner Gegenspieler ist der Engel Amenadiel, der ihn in die Hölle zurückschaffen will, da er sonst den Job dauerhaft übernehmen muss.
Doch die Aufgabe des Teufels ist es, die Bösen zu strafen, und von der lässt Lucifer auch jetzt nicht ab. Er hilft in jeder Folge der LAPD-Detectivin Chloe Decker bei der Aufklärung von Mordfällen. Dabei entwickelt er menschliche Gefühle und wird verwundbar. Weil ihn das irritiert, geht er zu einer Psychotherapeutin. Man stelle sich vor, der Teufel auf der Couch! Was ihn aber am meisten nervt, ist es, für alles Böse in der Welt verantwortlich gemacht zu werden. Hier weicht die Darstellung Lucifers in der Serie deutlich von der allgemein verbreiteten Auffassung ab.
Ein wenig erinnerte mich „Lucifer“ an „Nick Knight“, wo ein Vampir der Polizei half. Aber wirklich nur sehr entfernt. Die neue Serie wird vor allem vom genialen Spiel des Lucifer-Darstellers Tom Ellis getragen, den vielleicht mancher aus „Dr. Who“, „Merlin“ oder anderen Filmen kennen mag. Ellis gibt den Lucifer in einer ständigen Gratwanderung zwischen dämonisch und unbekümmert-kindlich. Er ist zynisch, direkt und fies, dabei doch sympathisch. Da er Waliser ist, dürfte er im Original recht britisch-blasiert rüberkommen. Übernatürliche Kräfte werden übrigens nur sehr sparsam eingesetzt. Ein sehr menschlicher Lucifer.
Gott ist hier der Vater Lucifers und offenbar aller Engel. Mit ihm hat die Hauptperson ein Problem, doch das scheint sich in der letzten Folge der ersten Staffel zu relativieren. Gott gibt ihm zu verstehen, dass er im Moment noch nicht in die Hölle zurückmuss – denn von dort ist noch jemand abgehauen.
Man darf also sehr gespannt auf die nächsten Folgen sein und hoffen, dass sich mal ein deutscher Fernsehsender der Serie annimmt, damit sie ein breiteres Publikum sehen kann.

 

Babylon Confidential

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Claudia Christian und Morgan Grant Buchanan:
Babylon Confidential
A Memoir of Love, Sex & Addiction
BenBella Books 2012

Claudia Christian ist SF-Fans als Commander Susan Ivanova aus der Fernsehserie “Babylon 5” bekannt. Dass sie auch in vielen anderen Filmen und Serien eine Rolle spielte, kann man wohl voraussetzen, aber die wenigsten werden da Genaueres wissen. Ihre Memoiren klären den Leser darüber auf, wie ihre gesamte filmische Karriere verlief. „Babylon 5“ ist da nur ein kleiner, wenn auch wichtiger Teil. C. Christian sieht ihre Arbeit an dieser Serie als den Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere.
Wer allerdings meint, der Titel „Babylon Vertraulich“ deute darauf hin, dass dieses Buch hauptsächlich bisher unbekannte Fakten über die Serie liefert, hinter die Kulissen schauen lässt, wird enttäuscht sein. Da führt der Titel tatsächlich ein wenig in die Irre, täuscht vielleicht sogar vorsätzlich, um eben jene Leser anzusprechen, die sich bei C. Christian gerade für deren filmischen Höhepunkt interessieren.
Denn eigentlich ist es vor allem die Lebensbeichte der Alkoholikerin C. Christian, welche die Anfänge ihrer Sucht bis hin zu ihrem fast völligen Niedergang schildert, vor dem sie sich nur retten kann, weil sie in der Literatur auf Hinweise auf eine neue Methode der Behandlung von Alkoholismus stößt – die Sinclair Methode.
Die Schauspielerin schildert ihr Leben, das neben dem Filmemachen vor allem von unzähligen glücklichen und unglücklichen Affären bestimmt zu sein schien. Beziehungen über längere Zeit aufrechtzuhalten, ist sie wohl nicht in der Lage. Sie war nie ein solcher Star, dass alle Welt über sie sprach, aber sie lebte offenbar das Leben des Jet-Set und genoss es. Bis sie in den Abgrund fiel.
Die Memoiren wirken zumindest ehrlich und beschönigen nichts. C. Christian entschuldigt sich aber auch nicht, sie betrachtet ihre Sucht als Krankheit und verlangt von ihren Lesern und ihrer Umwelt, dass diese das auch so akzeptiert. Am Ende findet sie offenbar Hilfe in einer noch kaum bekannten Methode, bei der man ein Medikament einnimmt, bevor man Alkohol trinkt. Dadurch soll das Verlangen nach mehr Alkohol verhindert werden. Bei ihr hat es anscheinend geholfen und das will sie mit dem Buch auch anderen Betroffenen mitteilen.
Also kein Buch für B5-Fans, aber auf seine Weise sicher auch nicht unwichtig.
Achja: Die schwarzweißen Bilder, die das Buch in einigen Blöcken enthält, sind einfach grottenschlecht im Druck.

 

Libriomancer

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Jim C. Hines: Libriomancer
Magic ex Libris 1
DAW Books 2012

Willkommen in der Welt der Libriomantik! Begründet von Johannes Gutenberg vor 500 Jahren, ist sie eine Form der Magie, die man aus Büchern bezieht.
Dabei kann alles, was in Büchern beschrieben wird, von magisch talentierten Menschen zur Realität gemacht – aus den Büchern herausgeholt – werden. Voraussetzung ist, dass genügend Leser das Buch lesen und eine Art kollektive Vorstellung von dessen Inhalten entwickeln. Das war nämlich der wahre Grund für Gutenberg, sein Druckverfahren zu entwickeln! Mittels des aus den Büchern geholten Heiligen Grals ist er übrigens unsterblich geworden. Aber das nur am Rande.
Das Format der Bücher gibt allerdings eine Grenze vor, man kann also keinen Sternenzerstörer aus „Star Wars“ kommen lassen – wohl aber ein Laserschwert. Nach Nutzung sollte man es wieder in das Buch zurücktun, sonst drohen schlimme Folgen. Diese Art der Magie ist ein wenig heikel.
Das musste auch Isaac Vainio merken, der wegen Verstößen gegen die Regeln von der geheimen Organisation der „Porter“ suspendiert wurde und nun als Katalogisierer arbeiten muss. Magie – Libriomantik – darf er nicht mehr ausüben. Die Porter sind so etwas wie die Wächter über die Libriomantik, von Gutenberg gegründet und immer noch geleitet. Sie passen vor allem auf, dass kein talentierter, aber ungeschulter Magier irgendwas aus Büchern holt, das Schaden anrichten kann, oder dass ein unbedarfter Autor etwas Derartiges schreibt (solche Bücher werden gesperrt, wenn man ihr Erscheinen schon nicht verhindern kann), und vor allem, dass das Ganze geheim bleibt. Denn wie so oft in der urban fantasy darf der Rest der Menschheit (nennen wir sie Muggel) davon nichts erfahren.
Doch eines Tages wird Isaac in seiner Bücherei von Vampiren angegriffen, von einer Dryade gerettet und in eine Auseinandersetzung hineingezogen, die schlimmer ist als nur ein Artefakt in den falschen Händen. Dabei ist ihm das zunächst gar nicht so unrecht, kann er so doch wieder als Libriomancer tätig werden – und die Dryade hat es ihm auch angetan. Doch dann zeigt sich langsam das ganze Ausmaß: Gutenberg wurde entführt, seine Automatons (eine Art Golem) umgedreht und die Porter werden angegriffen. Die Vampire sind dabei nur ein Mittel zum Zweck. Isaac und Lena müssen herausfinden, wer dahintersteckt und ihn stoppen.
Im Verlauf der Suche nach dem Übeltäter findet Isaac allerdings mehr über die Libriomantik und Gutenbergs Geheimnisse heraus, als ihm lieb ist.
Ein spannendes Buch mit frischem Ansatz zur Magie, das vor allem durch seine Bezüge zu anderen Büchern des Genres erfreut. Ob Excalibur oder Darth Vaders Schwert, ein Zaubertrank aus einem Fantasy-Roman oder direkt von „Alice im Wunderland“, ein Libriomancer weiß alles zu nutzen.
Sehr schön, dass es da noch ein paar Fortsetzungen gibt!

Das Buch ohne Namen

Anonymus: Das Buch ohne Namen
(Luebbe 2009)

„Das Buch ohne Namen“ liest sich anfangs recht schwer, da eine Flut von Personen in kurzen Kapiteln vorgestellt wird, die alle irgendwas tun, das zunächst kaum Sinn ergibt. Ort der Handlung ist ein amerikanischer Ort namens Santa Mondega, irgendein gottverlassenes Kaff. Allerdings stellt sich heraus, dass auch der Ort selbst etwas Besonderes ist, genau wie fast sämtliche Personen nicht ganz das sind, was sie zu sein scheinen – falls sie lange genug leben. Die meisten finden nämlich sehr schnell ein höchst blutiges Ende, wobei auch hier nicht immer klar ist, wie oder warum. Vieles wird erst mal nur angedeutet, aber nicht ausgesprochen. Scheinbar gibt es einige Kopfgeldjäger oder einfach nur Killer, dann noch den mysteriösen Bourbon Kid, den alle fürchten, aber den keiner kennt. Zwei Polizisten untersuchen die Reihe grausiger Morde, die dabei immer länger wird. Einer der beiden ist übrigens von einer Spezialeinheit für Übernatürliches.
Ja, da kommt das phantastische Element ins Spiel. Es hängt alles mit einer Mordserie zusammen, die sich schon vor 5 Jahren ereignete, und einem wertvollen und mystischen Stein, den man das Auge des Mondes nennt. Er kann angeblich den Lauf des Mondes anhalten und somit während der bevorstehenden Sonnenfinsternis wenigstens den Ort Santa Mondega in ewiges Dunkel tauchen. Er wurde den Mönchen von Hubal (eine Insel irgendwo) geklaut, von denen daher auch zwei vor Ort sind und munter mitmetzeln.
Das titelgebende Buch, eine alte Handschrift, taucht etwa in der Mitte der Handlung auch noch auf und macht alles noch verworrener. Jeder, der es gelesen hat, wird umgebracht, allerdings nicht direkt von dem Buch, wie der Klappentext suggeriert*.
Zwar ist das alles recht anstrengend, aber irgendwann scheint es sogar einen Sinn zu ergeben. Trash? Ja, vielleicht, so in der Art wie in Carpenter’s Vampires – und ja, auch diese spielen eine Rolle. Der anonyme Autor – vermutlich ein gewisser Michael O’Mara – bedient sich in allen Kisten des Genres und würfelt alles mal kräftig durch. Aufgemischt mit Mord und Totschlag ergibt es ein durchaus spannendes, wenn auch nicht einfaches Buch.

PS: Es gibt noch zwei Fortsetzungen: „Das Buch ohne Staben“ und „Das Buch ohne Gnade“ – alle über den Massenmörder Bourbon Kid.

* Komische Verkaufsstrategie: „Jeder, der dieses Buch liest, stirbt.“ War es darum in der Wühlkiste?

Buchmesse Con

Bucon-Tisch

Der Buchmesse Con findet bekanntlich am Samstag der Frankfurter Buchmesse in Dreieich, in der Nähe von Frankfurt statt. Wir waren in diesem Jahr mit der Edition SOLAR-X zum ersten Mal dort, nachdem es im vergangenen Jahr nicht klappte. Man muss sich nämlich für die Teilnahme mit einem Buchtisch bewerben und wird dann irgendwie ausgewählt – oder auch nicht. Seltsam, vielleicht aus Platzgründen. Im Saal war allerdings noch viel Platz, um ihn mit Tischreihen und Bestuhlung zum allgemeinen Aufenthaltsraum zu machen. Die Folge war starke Beengtheit bei den Händler- und Präsentationstischen und ein ziemlicher Lärmpegel.
Vom Programm bekommt man als Verkäufer nichts mit, das lief jedenfalls vielspurig parallel und bestand hauptsächlich wohl aus Lesungen anwesender Autoren. Wir waren dazu nicht eingeladen worden, obwohl ich meine Bereitschaft bekundet hatte. Aber es gab ja wohl mehr als genug davon.
Geschäftlich gesehen, war die Teilnahme kein Erfolg. Die reinen Umsätze konnten gerade mal die Übernachtungskosten decken. Ob wir uns 6 Stunden Fahrt und zwei Übernachtungen im nächsten Jahr nochmals zumuten wollen, wissen wir noch nicht. Höchstens für eine Lesung und einen Verkaufstisch. Damit potentielle Leser wissen, was sie da kaufen.

 

Game of Thrones

Seit Jahren geistert der Zyklus von George R. R. Martin durch die Fantasy-Welt und es gibt sogar schon eine Fernsehserie. Der deutsche Blanvalet-Verlag, ein Goldmann-Ableger, verdoppelt in gewohnter Manier Umfang und Preis. Also hatten wir uns die Kassette mit den ersten 4 Bänden auf Englisch zugelegt.
Um den ersten Band nach ca. einem Drittel beiseite zu legen und was anderes zu lesen.
Nachdem wir die Kassette wieder verkauft hatten, versuchten wir es mit dem ersten Band der deutschen Fassung nochmals. Das Ergebnis war das gleiche. Wir langweilten uns.
Das Lied von Eis und Feuer ist langatmig und nicht sonderlich spannend geschrieben. Die Vielzahl der Figuren verwirrt, die Phantastik ist zumindest am Anfang marginal. Was man da zu lesen bekommt, sind nur Intrigenspielchen in einer pseudomittelalterlichen Welt. Wir blieben ein wenig ratlos zurück und fragten uns, was andere nur an diesen Büchern finden?