Archiv für den Monat: Dezember 2015

Das Buch ohne Namen

Anonymus: Das Buch ohne Namen
(Luebbe 2009)

„Das Buch ohne Namen“ liest sich anfangs recht schwer, da eine Flut von Personen in kurzen Kapiteln vorgestellt wird, die alle irgendwas tun, das zunächst kaum Sinn ergibt. Ort der Handlung ist ein amerikanischer Ort namens Santa Mondega, irgendein gottverlassenes Kaff. Allerdings stellt sich heraus, dass auch der Ort selbst etwas Besonderes ist, genau wie fast sämtliche Personen nicht ganz das sind, was sie zu sein scheinen – falls sie lange genug leben. Die meisten finden nämlich sehr schnell ein höchst blutiges Ende, wobei auch hier nicht immer klar ist, wie oder warum. Vieles wird erst mal nur angedeutet, aber nicht ausgesprochen. Scheinbar gibt es einige Kopfgeldjäger oder einfach nur Killer, dann noch den mysteriösen Bourbon Kid, den alle fürchten, aber den keiner kennt. Zwei Polizisten untersuchen die Reihe grausiger Morde, die dabei immer länger wird. Einer der beiden ist übrigens von einer Spezialeinheit für Übernatürliches.
Ja, da kommt das phantastische Element ins Spiel. Es hängt alles mit einer Mordserie zusammen, die sich schon vor 5 Jahren ereignete, und einem wertvollen und mystischen Stein, den man das Auge des Mondes nennt. Er kann angeblich den Lauf des Mondes anhalten und somit während der bevorstehenden Sonnenfinsternis wenigstens den Ort Santa Mondega in ewiges Dunkel tauchen. Er wurde den Mönchen von Hubal (eine Insel irgendwo) geklaut, von denen daher auch zwei vor Ort sind und munter mitmetzeln.
Das titelgebende Buch, eine alte Handschrift, taucht etwa in der Mitte der Handlung auch noch auf und macht alles noch verworrener. Jeder, der es gelesen hat, wird umgebracht, allerdings nicht direkt von dem Buch, wie der Klappentext suggeriert*.
Zwar ist das alles recht anstrengend, aber irgendwann scheint es sogar einen Sinn zu ergeben. Trash? Ja, vielleicht, so in der Art wie in Carpenter’s Vampires – und ja, auch diese spielen eine Rolle. Der anonyme Autor – vermutlich ein gewisser Michael O’Mara – bedient sich in allen Kisten des Genres und würfelt alles mal kräftig durch. Aufgemischt mit Mord und Totschlag ergibt es ein durchaus spannendes, wenn auch nicht einfaches Buch.

PS: Es gibt noch zwei Fortsetzungen: „Das Buch ohne Staben“ und „Das Buch ohne Gnade“ – alle über den Massenmörder Bourbon Kid.

* Komische Verkaufsstrategie: „Jeder, der dieses Buch liest, stirbt.“ War es darum in der Wühlkiste?