Archiv für den Monat: August 2016

Hex

Kai Meyer: Hex
(Helmut Lingen Verlag 2012)

Geschrieben hat Kai Meyer das Buch wohl schon 1996, der Verlag bietet es als „unheimlichen Roman“ an, obgleich man es zur Science Fiction zählen müsste – aber wer kauft schon SF? Mir fiel es irgendwie in die Hände und da ich noch nie was von Kai Meyer gelesen hatte und eine gewisse Langeweile verspürte, las ich es. Nun habe ich also was von Kai Meyer gelesen, aber der Rest änderte sich nicht.
Das Buch spielt seltsamerweise ausgerechnet in Deutschland von 1926, doch irgendwie konnte ich den Eindruck nicht abschütteln, dass es nicht so richtig im historischen Deutschland dieser Zeit spielt. Spätestens als dann eine Truppe namens Schwarze Reichswehr auftauchte, war ich sicher, dass ich recht hatte.
Warum es gerade in dieser Zeit angesiedelt wurde, ist eines der Rätsel, die das Buch nicht beantwortet. Leider sind die anderen inhaltliche Ungereimtheiten, mit denen Meyer seine Leser allein lässt.
Im 16. Jahrhundert spielt sich über Nürnberg eine Luftschlacht außerirdischer Raumschiffe ab, deren Trümmer von den abergläubischen Leuten unter der Burg eingemauert werden.
1926 stürzt über Grönland ein Zeppelin nach der Kollision mit einem UFO ab.
Allerdings nennt der Autor die Dinge keineswegs beim Namen, sondern ergeht sich in vagen Umschreibungen. Mag sein, dass das Menschen im Mittelalter so sahen, aber bis zum Schluss muss man herumrätseln, was das denn eigentlich sein soll. Lichterscheinungen … na ja.
Sina und Max, zwei Mitarbeiter einer Behörde namens „HEX“, so eine Art Akte X des Deutschen Reichs, werden nach Grönland geschickt, gefolgt von einem Auftragsmörder, der Max umbringen soll – warum, das wird nie hinreichend begründet. Als sie mehr oder weniger erfolglos zurückkommen – deutsches Militär hat die Trümmer längst abgeholt – existiert das HEX nicht mehr und man jagt sie und andere Personen. Das Ganze endet in Nürnberg unter der Burg, wo der Gründer des HEX anscheinend völlig irre geworden mit Außerirdischen unter der Burg nach den 400 Jahre alten Resten gräbt.
Spannung kam bei mir kaum auf, eher Irritation darüber, dass Meyer seine Figuren ständig „überraschend“ anders sein und handeln lässt, als man erwartet. Tote sind nicht tot, Vorgesetzte und Patenonkel setzen Killer auf einen an, Unbekannte versuchen einen zu retten und gehen drauf … völlig durcheinander und unverständlich.
Wie erwähnt, irgendwie ist es nicht das Deutschland, das man aus den Geschichtsbüchern zu kennen glaubt, aber Steampunk ist es auch nicht, dazu fehlen die eindeutigen technischen Andersartigkeiten. Die meisten rätselhaften Dinge bleiben ungeklärt, wie etwa das mit dem Kindergeschrei, das Sina und der Killer hören, und vor allem die Motivation der handelnden Personen. Der HEX-Gründer Zacharias versucht scheinbar einen seit 400 Jahren begrabenen Außerirdischen zu befreien – als ob der oder seine Kumpels das nicht selbst könnten – und dann sich selbst einschließlich aller Mitwisser zu töten. Wozu? Keine Ahnung!

 

Lucifer

Lucifer
(USA 2016)

Es war die erste Serie, die wir bei Amazon Video anschauten, und wir fanden, dass sich die Anmeldung damit schon gelohnt hatte. Irgendwie seltsam, dass eine Serie nun nicht mal mehr im Fernsehen läuft, sondern nur „im Internet“. Die Qualität in Bild und Ton war übrigens ausgezeichnet.
„Lucifer“ ist eine amerikanische Serie, die auf dem gleichnamigen Comic von Mike Carey und Neil Gaiman (!) basiert. Eine zweite Staffel läuft im September an.
Lucifer Morningstar, also der Teufel, hat seinen Job in der Hölle hingeschmissen und betreibt seit fünf Jahren einen edlen Nachtclub in Los Angeles. Seine Barkeeperin Mazikeen ist eine Dämonin, die ihn begleitet hat und offenbar auch für seinen Schutz zuständig ist. Einer seiner Gegenspieler ist der Engel Amenadiel, der ihn in die Hölle zurückschaffen will, da er sonst den Job dauerhaft übernehmen muss.
Doch die Aufgabe des Teufels ist es, die Bösen zu strafen, und von der lässt Lucifer auch jetzt nicht ab. Er hilft in jeder Folge der LAPD-Detectivin Chloe Decker bei der Aufklärung von Mordfällen. Dabei entwickelt er menschliche Gefühle und wird verwundbar. Weil ihn das irritiert, geht er zu einer Psychotherapeutin. Man stelle sich vor, der Teufel auf der Couch! Was ihn aber am meisten nervt, ist es, für alles Böse in der Welt verantwortlich gemacht zu werden. Hier weicht die Darstellung Lucifers in der Serie deutlich von der allgemein verbreiteten Auffassung ab.
Ein wenig erinnerte mich „Lucifer“ an „Nick Knight“, wo ein Vampir der Polizei half. Aber wirklich nur sehr entfernt. Die neue Serie wird vor allem vom genialen Spiel des Lucifer-Darstellers Tom Ellis getragen, den vielleicht mancher aus „Dr. Who“, „Merlin“ oder anderen Filmen kennen mag. Ellis gibt den Lucifer in einer ständigen Gratwanderung zwischen dämonisch und unbekümmert-kindlich. Er ist zynisch, direkt und fies, dabei doch sympathisch. Da er Waliser ist, dürfte er im Original recht britisch-blasiert rüberkommen. Übernatürliche Kräfte werden übrigens nur sehr sparsam eingesetzt. Ein sehr menschlicher Lucifer.
Gott ist hier der Vater Lucifers und offenbar aller Engel. Mit ihm hat die Hauptperson ein Problem, doch das scheint sich in der letzten Folge der ersten Staffel zu relativieren. Gott gibt ihm zu verstehen, dass er im Moment noch nicht in die Hölle zurückmuss – denn von dort ist noch jemand abgehauen.
Man darf also sehr gespannt auf die nächsten Folgen sein und hoffen, dass sich mal ein deutscher Fernsehsender der Serie annimmt, damit sie ein breiteres Publikum sehen kann.