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Zwischen Verkleideten und Selfern

Die Buchmesse in Leipzig wird auch in diesem Jahr wieder Rekorde statistisch feststellen, daran ist kein Zweifel. Wir waren am Samstag als Besucher dort und schauten uns in den Hallen um. Einen bestimmten Plan hatten wir nicht, wollten eigentlich mal schauen, was es bei der Phantastik so an Neuigkeiten gibt.

Die von mir früher sehr geschätzte Buchmesse erscheint mir in den letzten Jahren immer mehr als zu einer post-karnevalistischen Veranstaltung zwischen Bücherständen zu verkommen. Viele finden es ja toll, dass gefühlte 60% der Besucher – zumindest am Wochenende – in mehr oder weniger alberne Kostüme gehüllt sind, deren Sinn und Bedeutung sich Uneingeweihten nur selten erschließt. Doch diese Kostümierten tun auf der Buchmesse nichts anderes, als diese als Laufsteg für ihre Selbstdarstellung zu nutzen und ein unangenehmes Gedränge zu verursachen. Es ist erwiesen, dass Comic-Fans und Rollenspieler kaum Bücher lesen. Die Anwesenheit derartiger Personen hat also für den Sinn der Buchmesse keinerlei Vorteil – es sei denn, der Sinn der Buchmesse ist heute, eine post-karnevalistische Veranstaltung zwischen Bücherständen zu sein. Sicher muss die Messe Geld verdienen, das sogar in erster Linie. Daher scheint es den Veranstaltern relativ egal zu sein, wer auf der Messe ausstellt und wer sie besucht. Sogar die erklärten Feinde der Verlage bekamen in diesem Jahr die Möglichkeit, einen großen Teil einer Halle zu belegen – der Teil der Buchbranche, welcher von der neuen Welle der sogenannten Selfpublisher zu profitieren sucht. Gewisse Dienstleister, die quasi die normalen Verlagsaufgaben outsourcen, um den Möchtegern-Autoren vorzugaukeln, sie würden dann tatsächlich richtige Bücher veröffentlichen. Nur gut, dass der Buchhandel (jenseits der Messebuchhandlung) so konservativ ist und auf die selbstgebastelten, pardon, selfpublishten Bücher weitegehend verzichtet.

Unverständlich ist nur, dass es sich die echten Verlage gefallen lassen, auf ihrer traditionellen Messe neben derartige Anbieter gestellt zu werden. Nun ja, die Frankfurter „Verlage“ mussten sie ja auch ertragen. Jene waren in diesem Jahr übrigens nirgends zu sehen, worüber einige Kleinverleger bereits frohlockten. Dass viele der allenthalben hochgejubelten kleinen und größeren Verlage es sich auch recht gut bezahlen lassen, Autoren „ihr Buch“ zu machen, wird dabei geflissentlich ignoriert. Vielleicht wäre mal eine neue Schwarze Liste fällig …

Der Messebuchhandel hatte in diesem Jahr eine gesonderte Phantastik-Buchhandlung aufgebaut. Ist ja begrüßenswert, vor allem nach dem Hickhack im Vorfeld um die Fantasy-Leseinsel. Wenn man die Konditionen dafür nicht wüsste, könnte man richtig neidisch werden.

Tatsächlich haben wir kurz überlegt, nächstes Jahr einen kleinen Stand zu buchen. Kostet mit Übernachtung und Anreise zwischen 1500 und 2000 €. Mit anderen Worten, es würde sich auf keinen Fall lohnen, denn so viel kann man gar nicht verkaufen oder an neuen Autoren gewinnen, wenn man keine „Druckkostenzuschüsse“ nimmt. Also wird man uns wahrscheinlich auch nächstes Jahr nicht mit einem Stand in Leipzig sehen. Ob überhaupt, das weiß ich jetzt noch nicht.

Buchmesse Con

Bucon-Tisch

Der Buchmesse Con findet bekanntlich am Samstag der Frankfurter Buchmesse in Dreieich, in der Nähe von Frankfurt statt. Wir waren in diesem Jahr mit der Edition SOLAR-X zum ersten Mal dort, nachdem es im vergangenen Jahr nicht klappte. Man muss sich nämlich für die Teilnahme mit einem Buchtisch bewerben und wird dann irgendwie ausgewählt – oder auch nicht. Seltsam, vielleicht aus Platzgründen. Im Saal war allerdings noch viel Platz, um ihn mit Tischreihen und Bestuhlung zum allgemeinen Aufenthaltsraum zu machen. Die Folge war starke Beengtheit bei den Händler- und Präsentationstischen und ein ziemlicher Lärmpegel.
Vom Programm bekommt man als Verkäufer nichts mit, das lief jedenfalls vielspurig parallel und bestand hauptsächlich wohl aus Lesungen anwesender Autoren. Wir waren dazu nicht eingeladen worden, obwohl ich meine Bereitschaft bekundet hatte. Aber es gab ja wohl mehr als genug davon.
Geschäftlich gesehen, war die Teilnahme kein Erfolg. Die reinen Umsätze konnten gerade mal die Übernachtungskosten decken. Ob wir uns 6 Stunden Fahrt und zwei Übernachtungen im nächsten Jahr nochmals zumuten wollen, wissen wir noch nicht. Höchstens für eine Lesung und einen Verkaufstisch. Damit potentielle Leser wissen, was sie da kaufen.

 

Extrem Kochen

Es begann mit einer Packung ausländischer Nudeln, der eine Gewürzmischung beigefügt war. Ohne unbedingt auf die Abbildung mehrerer Peperonis und den Hinweis zu achten, dass man einen Esslöffel voll von der Mischung nehmen sollte, schütteten wir die gesamte Mischung in die passierten Tomaten für die Nudelsoße. Schließlich war das doch immer so, dass man die beiliegende Mischung für das ganze Gericht vollständig benötigte. Im Herkunftsland der Nudelmischung scheinbar nicht. Die Verkostung ergab: höllenscharf! Was nun? Also eine Büchse Kichererbsen in die Nudelsoße, um das Aroma etwas aufzusaugen. Klappte nicht so ganz, nur das Volumen des Gerichts schwoll an. Nachdem auch eine Büchse Kokosmilch nicht wesentlich geholfen hatte, aßen wir die Nudeln mit Pesto.
Am folgenden Tag besorgten wir Geschnetzeltes, das angebraten und mit dem ganzen Topf teuflischen Gebräus vermischt wurde. Und siehe: Man konnte es essen. Zwar war es immer noch so scharf wie beim Inder oder Thailänder die Variante „indisch scharf“, aber außer Schweiß auf der Stirn und Tränen in den Augenwinkeln hatte es keine nachteiligen Folgen.
So kreierten wir experimentell ein neues Gericht, das wir allerdings so bald nicht wiederholen wollen.

 

Schulfest

Kurzer Bericht vom Schulfest der Erich Kästner Schule Zossen

Es stand unter dem Motto „Tatü Tata“ … In der Turnhalle sangen und spielten Kinder von Polizei und Feuerwehr, Unfällen, Bränden, Raub und Überfall. Im Ernst. Man verstand wegen der schlechten Akustik zwar nichts, aber egal.
Um in die Schulturnhalle hineinzukommen, mussten Eltern allerdings 2 Euro löhnen. Die Turnhalle war trotzdem völlig überfüllt, sodass meine Familie nach langem Anstehen (Jibts hier Appelsinen?) nur Stehplätze bekam.
Danach war auf dem Schulhof unorganisiertes, aber nichtsdestotrotz quirliges Remmidemmi. Polizeiauto und Freiwillige Feuerwehr inbegriffen. Kinder hatten eine Essensmarke, für die sie eine Bratwurst bekamen. Ansonsten kostete die Zuckerwatte Geld, und sogar das Betreten der Hüpfburg des Autohauses Opel aus Zossen war für die Schüler kostenpflichtig. Merkwürdig. Lässt sich das Autohaus etwa dafür bezahlen, dass es seine Werbeträger aufstellt?
Von der Bratwurst hatten meine Frau und ich dann Magenprobleme, aber wer wird schon kleinlich sein?
Vielleicht bin ich kleinlich, doch die Abzocke ging mir gegen den Strich. Wer stellt denn auf einem Schulfest für die Schüler eine Hüpfburg hin und erwartet, dass die für die Benutzung 0,50 Euro zahlen? Ich fand das einfach widerlich.