Hex

Kai Meyer: Hex
(Helmut Lingen Verlag 2012)

Geschrieben hat Kai Meyer das Buch wohl schon 1996, der Verlag bietet es als „unheimlichen Roman“ an, obgleich man es zur Science Fiction zählen müsste – aber wer kauft schon SF? Mir fiel es irgendwie in die Hände und da ich noch nie was von Kai Meyer gelesen hatte und eine gewisse Langeweile verspürte, las ich es. Nun habe ich also was von Kai Meyer gelesen, aber der Rest änderte sich nicht.
Das Buch spielt seltsamerweise ausgerechnet in Deutschland von 1926, doch irgendwie konnte ich den Eindruck nicht abschütteln, dass es nicht so richtig im historischen Deutschland dieser Zeit spielt. Spätestens als dann eine Truppe namens Schwarze Reichswehr auftauchte, war ich sicher, dass ich recht hatte.
Warum es gerade in dieser Zeit angesiedelt wurde, ist eines der Rätsel, die das Buch nicht beantwortet. Leider sind die anderen inhaltliche Ungereimtheiten, mit denen Meyer seine Leser allein lässt.
Im 16. Jahrhundert spielt sich über Nürnberg eine Luftschlacht außerirdischer Raumschiffe ab, deren Trümmer von den abergläubischen Leuten unter der Burg eingemauert werden.
1926 stürzt über Grönland ein Zeppelin nach der Kollision mit einem UFO ab.
Allerdings nennt der Autor die Dinge keineswegs beim Namen, sondern ergeht sich in vagen Umschreibungen. Mag sein, dass das Menschen im Mittelalter so sahen, aber bis zum Schluss muss man herumrätseln, was das denn eigentlich sein soll. Lichterscheinungen … na ja.
Sina und Max, zwei Mitarbeiter einer Behörde namens „HEX“, so eine Art Akte X des Deutschen Reichs, werden nach Grönland geschickt, gefolgt von einem Auftragsmörder, der Max umbringen soll – warum, das wird nie hinreichend begründet. Als sie mehr oder weniger erfolglos zurückkommen – deutsches Militär hat die Trümmer längst abgeholt – existiert das HEX nicht mehr und man jagt sie und andere Personen. Das Ganze endet in Nürnberg unter der Burg, wo der Gründer des HEX anscheinend völlig irre geworden mit Außerirdischen unter der Burg nach den 400 Jahre alten Resten gräbt.
Spannung kam bei mir kaum auf, eher Irritation darüber, dass Meyer seine Figuren ständig „überraschend“ anders sein und handeln lässt, als man erwartet. Tote sind nicht tot, Vorgesetzte und Patenonkel setzen Killer auf einen an, Unbekannte versuchen einen zu retten und gehen drauf … völlig durcheinander und unverständlich.
Wie erwähnt, irgendwie ist es nicht das Deutschland, das man aus den Geschichtsbüchern zu kennen glaubt, aber Steampunk ist es auch nicht, dazu fehlen die eindeutigen technischen Andersartigkeiten. Die meisten rätselhaften Dinge bleiben ungeklärt, wie etwa das mit dem Kindergeschrei, das Sina und der Killer hören, und vor allem die Motivation der handelnden Personen. Der HEX-Gründer Zacharias versucht scheinbar einen seit 400 Jahren begrabenen Außerirdischen zu befreien – als ob der oder seine Kumpels das nicht selbst könnten – und dann sich selbst einschließlich aller Mitwisser zu töten. Wozu? Keine Ahnung!

 

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