Hate Machine: Saddam’s Tears
(Spookhouse Records 2003)
gehört von Kathy Leonard

Kaum ist Martin W. Melniks "Mauer-Trilogie" bei Spookhouse erschienen, meldet sich nun auch die von manchen schon totgeglaubte Band des Autors zurück. Krachig rockt es wie eh und je, Machart der Musik und Erscheinungsbild haben sich kaum verändert. Melnik ist älter geworden, der Bart ist ab, aber er schwingt die Gitarre immer noch, daß man meinen könnte, es sei eine AK47. Der Titel des Albums ist durchaus programmatisch zu verstehen, das zeigen auch die einzelnen Songtitel wie z.B. "Invasion", "Nightgoggle", "Tank War" oder "The Vanished Government". In einem musikalischen Kraftakt haben Melnik und Co. den Irak-Krieg interpretiert. Da ist dann auch alles dabei, was man erwartet: Von Explosionsgeräuschen über Helikoptergeknatter bis hin zu Sirenenklängen. Manches klingt fast wie Pink Floyd, aber eben nur so lange, bis donnerndes Schlagzeug, Gitarren und der aggressive Gesang zeigen, wir sind hier nicht mehr im ProgRock, sondern bei Hate Machine! Wer weiß, ob sich Amerikaner gerne an ihr großartig angekündigtes, aber dann buchstäblich im Sande verlaufenes "Shock and Awe" erinnern lassen. Der so bezeichnete Titel ruft förmlich Bilder in einem wach, obwohl HM nie Videos zu ihren Songs machen. Wenn man im Hintergrund immer wieder die entsetzte Stimme jenes britischen (?) Journalisten hört, der ausruft "They are destroying Baghdad!", dann sieht man wieder vor sich, wie die Raketen in der ersten großen Bombardierung vor laufenden Kameras einschlagen.
Darf und kann man eigentlich über den Irak-Krieg Musik machen? Offensichtlich kann man - und wer könnte es besser als Hate Machine? Wer noch nicht soweit ist, Melniks Abrechnung mit dem amerikanisch-britischen Größenwahn auf diese Weise präsentiert zu bekommen, braucht sich die CD ja nicht zu kaufen. Sie ist ohnehin schwer zu bekommen, da Hate Machine scheinbar kein Interesse daran haben, von den großen Händlern geführt zu werden.

Saddam’s Tears, © 2003 by Hate Machine & Martin W. Melnik, 14.99 Euro
http://www.hatemachine.com